Popfeminismus als linkes Vermächtnis oder kapitalistische Erneuerung?

Sonja Eismann in der Jungle World über Lauter eloquente junge Männer , der Poplinken, die älter werden, unter akutem Objekt- und Subjektverlust leiden und von shoppenden Popfeministinnen beerbt werden.

„Der euphorische Kulturalismus der damaligen Zeit wirkt freilich in seiner Naivität aus heutiger Sicht fast rührend. Wenn man als feministisches Kollektiv beispielsweise hoffnungsvoll blauäugig davon ausging, Shopping (als feminin kodierte Tätigkeit) könne ein Zeichen von Dissidenz sein oder weibliches Groupietum eine Form von Empowerment. Heute hingegen muss sich noch zeigen, ob der (Pop-)­­Feminismus das einzige linke Vermächtnis der Poplinken ist oder doch die vielgeschmähte Erneuerungsideologie des Kapitalismus. Schön wäre es ja, wenn im Gegenteil der Feminismus als emanzipatorische Kraft nun umgekehrt mal für alle sprechen könnte. Kann man sich ja mal wünschen.“


5 Antworten auf “Popfeminismus als linkes Vermächtnis oder kapitalistische Erneuerung?”


  1. 1 lilith 10. Januar 2009 um 13:06 Uhr

    Wenn Charlotte Roche eine Popfeministin ist, dann geht der Trend wohl eher in Richtung kapitalistische Erneuerung..Feuchtgebiete war Bestseller 2008, damit übernimmt sie die Nachfolge des verhexten kleinen Jungen mit der Nickelbrille, das Buch wurde 1,3 Millionen Mal verkauft…sehr interessante Auseinandersetzung übrigens (Achtung Themawechsel) über falsch verstandene Tabubrüche und Biederkeit mit Thea Dorn

  2. 2 lilith 10. Januar 2009 um 17:36 Uhr

    verfilmt wird der ganze „scheiss“ jetzt auch noch…

  3. 3 nyx 10. Januar 2009 um 20:46 Uhr

    von mir aus kann sie so viel literarischen schleim verteilen wie sie mag. ich find charlotte roche beschreibt mit dem charakter helen doch ein eher tragisches schicksal. wenn die jetzt glücklich ihre körpersäfte verteilen würde, aber auf mich wirkt sie eher kreuzunglücklich. außerdem tätigt sie permanent massive selbstverletzungen, was beim lesen dieser szenen phantomschmerzen produziert. nichts gegen selbstverletzungen, nichts gegen charlotte roche. aber die rezeption dieses buches ist doch seltsam. emanzipation? tabubruch? ich weiß nicht. vor allem widerlich das darauf zu reduzieren und sich daran aufzugeilen.

    verfilmt? na dann guten appetit!

  4. 4 lilith 10. Januar 2009 um 23:18 Uhr

    hihi…bin natürlich voll reingefallen….ordentlicher lesen, wird nicht verfilmt…fänd ich persönlich aber sehr schön, ein Hardcore/Splatter Porno gewinnt den deutschen Fernsehpreis! Mir ging es ja ähnlich, die morbiden Hinternszenen im Krankenhaus haben mir am meisten wehgetan…. spannender wäre vielleich gewesen einen Roman zu schreiben, der von jemanden handelt, der einfach keine Lust auf Sex hat; Roche reaktiviert ja auch ganz fein das neoliberale sexuelle Optimierungsbedürfnis (f*cken und Haare lassen für den Weltfrieden) dass immer können und müssen und so ist ja nix neues, ach und wer mit „normalen“ Sex nicht kommt, kann sich ja mal seine Dusche ad absurdum (ein-) führen.
    Aber Achtung: Eine Freundin von mir hat sich über das Buch schepps gelacht und sich sehr amüsiert…neben ihr war ich eine alte taube Frau…

    Und außerdem: Ich finde ja, dass Schweinkram schon von anderen Frauen literarischer beschrieben worden ist (Anais Nin) und dass der Gott des Schweinkrams natürlich männlich und Henry Miller heisst…aber da gehts ja gar nicht drum, wa?

  1. 1 Simulationen des Selbst Trackback am 22. Januar 2009 um 10:13 Uhr
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