Feuchtgebiete und Fleckenteufel

Mädchenrosa und Jungsblau: als ich gestern an einem etwas größerem Buchladen vorbeigelaufen bin, hat mich die strukturelle Überrepräsentation dieser beiden Farben fast umgehauen. Zwei gigantische Buchstapel, die bis auf die Farbe nahezu identisch ausgesehen haben. Der eine altbekannte bestand aus den Feuchtgebieten von Charlotte Roche, der andere auf der hellblauen Variante für Jungs mit dem überaus originellen Titel Fleckenteufel von Heinz Strunk:

feuchtgebiete fleckenteufel

Was soll ich dazu sagen? Klar, zunächst meine Bewunderung an den Rowohlt Verlag und den Autor Heinz Strunk für diese nicht ganz dumme Vermarktungsstrategie. Dass die Buchläden dankbar auf diese Strategie eingehen, sollte auch nicht zu sehr verwundern. Aber stopp mal, es nervt einfach. Zugegeben, ich habe den Fleckenteufel noch nicht gelesen, aber ich gehe mal nicht davon aus, dass es sich nicht um einen jungen Mann mit Sauberkeitswahn und Putzfimmel handelt. Also ich dachte, es ginge Charlotte Roche nicht zuletzt darum, dass es sie nervt, dass von Frauen immer erwartet wird ihre Nicht-Kopfhaare zu entfernen und ihre Feuchtgebiete zu parfümieren. Dass es gesellschaftlich akzeptiert ist, wenn Männer rumbatzen, ist doch nichts neues, oder? Kritisches Potential? In die Tonne treten! Ich werde das ganze bei Gelegenheit mal im Buchladen lesen und mein Geld dann lieber in einen Zizek oder ähnliches investieren.


3 Antworten auf “Feuchtgebiete und Fleckenteufel”


  1. 1 lilith 22. Januar 2009 um 12:03 Uhr

    Richtig, es handelt sich um einen 16 Jährigen Spätzünder im Jahre 1977…es geht um Kirchenfahrten, Wichsen, schlechtes Essen, Verstopfung und die eine…um Susanne Bohne..ganz klar Vermarktungsstrategie ist excellent, das Buch für die dreckigen Buben…andererseits ist das ja nicht sein erstes Buch und auch schon in seinen Büchern davor (Fleisch ist mein Gemüse/die Zunge Europas) spielte sexsells und Humor eine große Rolle…Stichwort: Humor…ich mag Heinz Strunk manchmal ganz gerne (z.b. in dem großartigen Auftritt in dem ansonst eher langweiligen Film: Immer nie am Meer, wo er einen unglaublich erfolgloses Entertainer spielte) dann nervt er auch sehr schnell und er ist sicher nicht das, was man feministisch nennen kann (ihr fragt: wie denn auch? ich sage: Geht schon…) vielleicht eher anarchisch…punkt um fallera: Roche hat uns an unserem Hygienezwang geschüttelt, die die darüber auch noch lachen konnten: sehr gut! Strunk ist ein Humorist…die, die ihn mögen, lachen auch….Mehr Gemeinsamkeiten gibt es sicher nicht….

    mit Verlaub: ich mag seinen Stil zu schreiben, um einiges lieber als den von Roche…bin ich jetzt ein Kolloborateurmöse? Kaufen, werde ich mir das Buch sicher nicht…

    und hier Auszüge aus der Premierenlesung

  2. 2 bummsfalleraa 22. Januar 2009 um 14:15 Uhr

    Was mensch Herrn Strunkt emanzipatorisch zumindest anerkennen kann, ist, dass seine Typen völlige Versager sind und gerne auch verdammt scheiße (Fleisch ist mein Gemüse) aussehen. Das ist nun vielleicht nicht die ganz große Lösung, aber doch immerhin etwas.

  3. 3 nyx 24. Januar 2009 um 9:16 Uhr

    hallo liebe kollaborateurmöse (dein wortschatz, ehrlich mal! aber weißt du was, ich mag deinen stil),
    ich hatte ja gehofft, dass du dir das kaufst und ich das dann nicht im buchladenstehend, sondern couchliegend lesen kann.

    @bummsfalleraa: stimmt auch, muss nicht immer emanzipatorisch drauf und drinstehen, um zumindest in ansätzen dazusein. umkehrschluss: gibt genug sachen, wo genau das draufsteht und dann so gar nicht drin ist.

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