Archiv der Kategorie 'Judith Butler'

Klare Worte

hat Judith Butler beim Berliner CSD gefunden, wo sie einen Preis für Zivilcourage erhalten sollte. Da sich die Veranstalter_innen des kommerziellen CSDs nicht von rassistischen und islamophoben Äußerungen distanzierten und sie sich nicht vor den Karren von Organisationen spannen lassen wolle, die im Namen einer queeren Gemeinde Kriege führten und Bündnisse eingingen, in denen Rassismus und Antisemitismus geduldet wird, lehnte Judith Butler den Preis ab. Stattdessen lobte Butler Organisator_innen des transgenialen CSDs und ließ die Laudatorin Renate Künast ebenso wie den engelsbeflügelten Moderatoren sich selbst blamieren.

Gut so Judy!

Elemente eines neuen linken Feminismus

Die Zeitschrift Das Argument 281 widmet sich diesmal den Elementen eines neuen linken Feminismus

Aus dem Inhalt:

Frigga Haug: Editorial: Elemente eines neuen linken Feminismus
Frigga Haug: Feministische Initiative zurückgewinnen – eine Diskussion mit Nancy Fraser
Tove Soiland: Gender oder Von der Passförmigkeit der Subversion. Über die Konvergenz von Kritik und Sozialtechnologie
Lynne Segal: Erneuerungen des Feminismus
Judith Butler: In Prozesse von Prekarisierung eingreifen
Terri Seddon: An einer „Politik des Wir“ arbeiten
Renate Ullrich: Feuchtgebiete und Neue deutsche Mädchen
Rüdiger Dannemann: Ágnes Heller zum achtzigsten Geburtstag
etc.

Judith Butler in Argentinien

Judith Butler spricht in Buenos Aires über ihr und Gayatri Chakravorty Spivaks Buch Sprache Politik Zugehörigkeit, engl. Who sings the nation state?

Examined Life by Astra Taylor

Examined Life by Astra Taylor Cornel West, Avital Ronell, Peter Singer, Kwarne Anthony Appiah, Martha Nussbaum, Michael Hardt, Slavoj Zizek, Judith Butler and Sunaura Taylor: Astra Taylor bringt sie und ihre Philosphie in dem Film Examined Life auf die Strasse. Klingt spannend, dauert nur vermutlich noch bis der mal in einem Münchner Kino zu sehen ist:
„Taylor’s camera follows nine thinkers of various disciplinary extractions — here’s a list — as they walk on the street, ride in the backseat of a car, paddle around the pond in New York’s Central Park, and haul luggage around an international airport. They speak for about 10 minutes each — sometimes in dialogue with Taylor or one another, sometimes in peripatetic soliloquy. […] “Examined Life” is more than an anthology of short lectures by famous talking heads. Taylor’s intelligence as a documentarian extends to both content and form. The film is put together with a subtlety and wit that two minutes of highlights cannot capture. And she has not only scouted interesting or appropriate settings for her subjects (Anthony Appiah discussing cosmopolitanism in an airport, Slavoj Žižek challenging liberal environmentalism in a trash dump) but found common themes and points of implicit conflict among them.“

Als Vorgeschmack gibts hier schon mal den offiziellen Trailer:

Judith Butler im Portrait

Warum wird dieses Portrait von Judith Butler (das 2006 auf Arte gesendet wurde) nicht mal wieder ausgestrahlt? Zum Glück sind wir nicht zum warten und hoffen verdammt, sondern können uns das auch online anschauen. Sehr sehenswert und sehr verständlich: die meiste Zeit Englisch mit französischen Untertiteln. Und zwischendrin gibt es eine kurze wunderbare Stelle in der sich Judith Butler und Isabell Lorey auf deutsch unterhalten. Ich würde sagen, viel Vergnügen!

Teil 1

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Judith Butler: Frames of War. When Is Life Grievable?

Für alle die genauso ungeduldig sind wie ich, was sie am Berliner Judith Butler Vortrag Frames of War zu erwarten haben, gibt es hier eine Kurzzusammenfassung des aktuellsten und vorausssichtlich im April erscheinenden Buches von Judith Butler mit dem Titel Frames of War. When Is Life Grievable? Klingt ähnlich wie der Titel des Vortrags? Genau. Bitteschön:

This is a profound exploration of the current wars, looking at violence, gender and different forms of resistance. In „Frames of War“, Judith Butler explores the media’s portrayal of state violence, a process integral to the way in which the West wages modern war. This portrayal has saturated our understanding of human life, and has led to the exploitation and abandonment of whole peoples, who are cast as existential threats rather than as living populations in need of protection. These people are framed as already lost, to imprisonment, unemployment and starvation, and can easily be dismissed. In the twisted logic that rationalizes their deaths, the loss of such populations is deemed necessary to protect the lives of ‚the living‘. This disparity, Butler argues, has profound implications for why and when we feel horror, guilt, loss and indifference, both in the context of war and, increasingly, everyday life. In this urgent response to increasingly dominant methods of coercion, violence and racism, Butler calls for a reconceptualization of the Left, one united in opposition and resistance to the illegitimate and arbitrary effects of state violence.

Judith Butler in Berlin

Tata! Diesmal werden wir das nicht verpassen:
Judith Butler kommt nach Berlin und hält die diesjährige Hegel -Lecture am Dahlem Humanities Center (DHC) der Freien Universität Berlin.

Titel des Vortrags „Frames of War“

Achtung! Der Vortrag von Butler ist räumlich verschoben worden ins

Audimax des Henry Ford-Baus
(Garystraße 35, 14195 Berlin-Dahlem) (U-Bahnhof Thielplatz).
Einlass ist ab 18 Uhr.
nicht das wir im falschen Gebäude warten und Butler verpassen….

Kein Luxus Judith Butler!

Kein Luxus, eine Frage des Überlebens:

Und immer wieder die Frage, wem dieses theoretische Gelaber nützen soll? Wer definiert, was relevant ist? Für die, die getötet werden, weil sie anders gehen ist es relevant und für die die sich deshalb selbst töten auch.
Butler mal langsam zum mitdenken, auch für die, die immer noch glauben sich dauerhaft in intelligiblen Positionen eingerichtet zu haben:

„Ich würde sagen, dass es nicht eine Frage ist, eine neue Zukunft für Geschlechter herzustellen, die es noch nicht gibt. Die Geschlechter, die ich im Sinn habe, gibt es schon lange Zeit, aber sie wurden in den Begriffen, die die Realität bestimmen, nicht zugelassen. So ist es eine Frage, innerhalb des Gesetzes, innerhalb der Psychiatrie, innerhalb der sozialen und literarischen Theorie, ein neues, die Komplexität der Geschleter, die wir schon immer gelebt haben, begründendes Lexikon zu entwickeln. Weil die Normen, die die Wirklichkeit regieren, jene nicht als reale zugelassen haben, nennen wir sie notwendigerweise neue Geschlechter. Aber ich hoffe wenigsten, dass wir wissend lachen werden, wenn und falls wir dies tun. Wenn jemand meint, dass eine solche Theorie reiner Luxus ist, dann sollte er bedenken, dass der notwendige Hintergrund des Unbehagens der Geschlechter / der Geschlechterverwirrung eine Frage des Überlebens ist. Es geht um die Frage, wie einen Welt zu schaffen ist, in der diejenigen, die ihr Geschlecht und ihr Begehren als von der Norm abweichend verstehen, ohne die Bedrohung durch Gewalt von außen leben und sich erfolgreich entwickeln können. Und dies, ohne das andauernde Gefühl ihrer Unwirklichkeit zu haben, das zu Selbstmord führen kann und geführt hat, sowohl einem selbstmörderischen Leben als auch Selbstmord in einem ganz wörtlichen Sinne. Zuletzt würde ich fragen, welchen Platz das Denken des Möglichen innerhalb der politischen Theorie hat. Man kann einwenden: ‚Ah, aber du versuchst nur, die Geschlechterkomplexität möglich zu machen, doch das sagt uns nicht, welche Formen gut oder schlecht sind – es liefert nicht das Maß, die Norm.’ Und das stimmt. Es liefert nicht das Maß. Aber es gibt hier einen normativen Anspruch, und er hat zu tun mit der Fähigkeit, zu leben, zu atmen, und sich zu bewegen, und das würde ohne Zweifel zu einer Philosophie der Freiheit gehören. Der Gedanke eines möglichen Lebens ist nur für diejenigen Luxus, die sich selbst schon als möglich wissen. Für diejenigen, die immer noch auf diese Möglichkeit warten, ist diese Möglichkeit eine Notwendigkeit.“
[Zitiert nach Hannelore Bublitz: Judith Butler zur Einführung]

Judith Butler …

getötet werden, weil du anders gehst …
Herself erklärt, warum es um mehr geht als „nur“ um theoretisches Schreibtischsitzen

Judith Butler über Barack Obama

Nicht überschwänglich werden, meint auch Judith über Barack. Er ist kein Messias und feministische messianische Hoffnungen sind sowieso gruslig, finde ich. Da ist es doch eher beruhigend zu sehen, welche Öffentlichkeitsarbeit sein Redenschreiber betreibt.

In dem Text Uncritical Exuberance? schreibt sie wie der Wunsch nach Erlösung von der Bush-Regierung messianische Hoffnungen auf Barack Obama projiziert, die dieser nicht wird erfüllen können. Das Risiko, so Butler, dass der maßlose und kritiklose Überschwang über den Wahlsieg Obamas bald in eine ebenso maßlose Enttäuschung umschlagen könnte ist groß und sie fragt, welches Maß an Ernüchterung nötig ist, um eine kritische Politik wieder zu erfinden.

„Obamas Wahl heißt, dass das Terrain von Debatte und Kampf verschoben wurde, und es ist freilich ein besseres Terrain. Aber es ist nicht das Ende des Kampfes, und wir würden sehr dumm sein, es als solches zu betrachten, und sei es nur vorübergehend.“

Uncritical Exuberance? by Judith Butler

Kritikloser Überschwang? Obama als „Erlösung“
von Gerald Raunig ins Deutsche übersetzt. Danke.